KALK – EIN FASZINIERENDER BAUSTOFF

Natürlich, vor Ort produziert, von Hand gemacht, kurze Transportwege, keine Zusatzstoffe – das
Jahrtausende alte Bindemittel Kalk ist ein nachhaltiges Baumaterial für die Herstellung von Mauern, Mörtel, Verputzen und Farben.

Gebrannter Kalkstein war über Jahrtausende das einzige Bindemittel, bis er durch industriell hergestellte Produkte teilweise verdrängt wurde.

Das Naturprodukt Kalk hat hervorragende haptische und optische Eigenschaften, ist ökologisch und umweltverträglich, reparatur- und ausbesserungsfähig, diffusionsoffen und feuchtereglierend, luftreinigend und allergikerfreundlich, algen- und schimmelhemmend und langlebig.

Immer mehr Menschen interessieren sich für eine ökologische Bauweise, für einen respektvollen Umgang und Erhalt historischer Bausubstanz und für ein gesundes und langlebiges Bauen. Darum erfährt Kalk eine wachsende Beliebtheit.

KALKHERSTELLUNG – TRANSFORMATION VOM STEIN ZUM KULTURGUT

Holzgebrannter Kalk war früher ein weit bekannter Baustoff. In jedem Dorf gab es mindestens eine Person, die wusste, wie man ihn herstellt und verarbeitet. Dieses Wissen droht in Vergessenheit zu geraten.

Durch die regionale Produktion mit dem einheimischen und erneuerbaren Rohstoff Holz erhält Kalk eine günstige Ökobilanz. Beim Kalkbrand wird das trockene Holz schnell und unter hohen Temperaturen verbrannt – ideale Bedingungen für eine emissionsarme Verbrennung.

Der CO2 Ausstoss ist dabei vergleichbar mit einer natürlichen Verrottung im Wald. Der C02 Haushalt der Kalksteine ist ein Kreislauf. Beim Abbinden nimmt der Kalk die gleiche Menge an CO2 wieder auf, welche er durch den Brand freigelassen hat.
KALKKREISLAUF
1 Natürlicher Kalkstein ist das Ursprungsmaterial bei der Herstellung des mineralischen Bindemittels Kalk.
Dolomit - Kalkstein (Calciumcarbonat)
Kalkbrennen (Wasser und C02 wird abgegeben)
2 Branntkalk (Stückkalk) wird durch das Brennen von Kalksteinen hergestellt. In Brennöfen werden die Steine bei einer Temperatur zwischen 850-1000°C während mehrerer Tage gebrannt. Der gewonnene Branntkalk reagiert stark mit Wasser und muss daher luftdicht gelagert oder sofort weiterverarbeitet werden.
Branntkalk (Calciumoxid)
Kalklöschen
3 Löschkalk (Kalkmilch) entsteht durch die Zugabe von Wasser zu Branntkalk. Dies löst eine stark exotherme Reaktion aus. In einer Grube unter ständiger Wasserüberdeckung gelagert, ist der sogenannte Sumpfkalk über Jahrzehnte haltbar.
Löschkalk (Calciumhydroxid)
Kalkbaustoffe (Mörtel, Kalkmilch, Kalkfarben, etc)
4 Kalkbaustoffe sind – mit der nötigen Erfahrung verarbeitet – enorm langlebig und vielfältig anwendbar. Aus Branntkalk, Löschkalk oder Sumpfkalk und der Vermengung mit Sand und Wasser können verschiedene Mörtel hergestellt werden. Beim langsamen Abbindeprozess wird CO2 gebunden und es entsteht chemisch gesehen wieder Kalkstein. Kalkmörtel wird nicht nur als Fugenmörtel genutzt, sondern auch für den Verputz von Fassaden und Innenräumen (geseifte Kalkglätte sogar in Nassräumen). Verdichtet kann der Kalkmörtel für Bodenbeläge verwendet werden (z.B. als Terrazzo). Aussen- und Innenanstriche entstehen aus mit Wasser verdünntem Sumpfkalk. Kalkfarben bieten der Handwerker*in durch Zusätze wie Erdpigmenten, Kasein usw. ungeahnte malerische Möglichkeiten.
Kalkanwendungen im Aussenbereich (Calciumcarbonat)
Kalkanwendungen im Innenbereich (Calciumcarbonat)

KALKSHOP

Eigenhändiger holzgebrannter Sumpfkalk und Branntkalk bei uns erhältlich. Bei Interesse Tel: 079 102 02 33 oder Email: info@kalkwerk.ch

KALKVERARBEITUNG – EIN WEITES FELD

Die Möglichkeiten, was man alles mit Kalk machen kann sind enorm. Hier eine kleine Auswahl:

-Mauermörtel
-Verputzmörtel
-Unterschiedliche Feinputze
-Wasserabweisende Kalkglätten
-diverse Bodenbeläge
-“Al-Fresco”
-Malerei
-Sgraffito
-Kalkkaseinfarben
-usw.



KALKBRENNEN – EIN KULTURERBE

Die frühesten Spuren von Kalk als Bindemittel lassen sich bereits 12.000 Jahre v. Chr. nachweisen. Viele der alten Kulturen des Orients, Chinas, Mittel- und Südamerikas begannen ab 3.000 v. Chr. mit dem Einsatz von Kalkmörtel für ihre Bauwerke. Später waren es vor allem die Römer, welche die Techniken des Kalkbrennens weiterentwickelten und perfektionierten. Bis Mitte des 20. Jahhunderts war der Baustoff Kalk das am weitesten verbreitete Material für die Herstellung von Bodenbelägen, Mörteln, Putzen und Anstrichen. Der Portlandzement und die industrielle Herstellung von global vermarkteten Billigprodukten führte dazu, dass jahrtausendealtes Wissen über traditionelle Kalkverarbeitungstechniken verloren ging. Dank engagierter Fachpersonen, welche sich in der Kalkverarbeitung spezialisiert haben, ist Kalk bis heute in der Architektur, der Denkmalpflege, wie auch in der Baumalerei und Sgraffitokunst präsent. Der ökologische und vielfältige Baustoff Kalk erfährt eine wachsende Beliebtheit. Kalkanwendungen bergen ein reiches Potential.



BISHERIGE KALKBRÄNDE VON JOANNES WETZEL

Bei Restaurationsarbeiten mit Kalk am Schloss Tarasp ist dem Maurer, Bildhauer und Sgraffittokünstler Joannes Wetzel die Idee gekommen, selbst einen Kalkbrand durchzuführen. Ihn interessiert eine ganzheitliche Betrachtungsweise des Kalkhandwerks und er wollte mit dem Material von der Herstellung bis zur schlussendlichen Anwendung arbeiten: Vom Holen der Steine am Berg, über das kuppelförmige Aufschichten der Steine im Kalkbrennofen, zum tagelangen Brennen der Steine bis hin zur Herstellung des Mörtels und der verzierenden Kratztechnik von fertig getünchten Oberflächen.
KALKBRAND IN TARASP 2013
Im Febraur 2013 fand ein erstes historisches Kalkbrennen in Val Zuort bei Tarasp in einem 1996 restaurierten Ofen statt. Dieser war bis 1932 regelemässig in Betrieb. Unter der Initiative von Joannes Wetzel, der Organisation von Jon Fanzun und der Mitarbeit von zahlreichen Arbeitslosen konnten 42 Kubik Dolomitkalkstein aus dem Val S-Charl gebrannt werden.
KALKBRAND IN S-CHARL 2014
Im Rahmen “100 Jahre Schweizerischer Nationalpark” wurde der Kalkofen in Schmelzra, S-Charl nach jahrzentelanger Pause wiederbelebt. Joannes Wetzel hat dort von Mitte Juli bis mitte August 2014 mit zahlreichen freiwilligen Helfern 30 Tonnen Kalksteine gebrannt. Während diesen Wochen war der Ofen Brennpunkt für viele Kalkinteressierte.
KALKBRAND IN SUR EN DA SENT 2017
Die Fundaziun Nairs hat im Rahmen der Initiative “Kulturelle Vielfalt in den Regionen” von der Schweizer Kulturstiftung „pro helvetia“ das Projekt „Calchera“ (Kalkofen auf romanisch) realisiert.
Dabei wurden Reste von einem ehemals funktionstüchtigen Kalkofen in Sur En Da Sent, am Eingang zum Val d’Uina, rekonstruiert, restauriert und wieder in Betrieb genommen. Ein erster Kalkbrand ist dort im Herbst 2017 realisiert worden. Dabei konnten ca. 5 Tonnen Brantkalk gewonnen werden.
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Delphine Schmid, Präsidentin des Vereins kalkwerk
Architektin Msc ETH Arch
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