Natürlich, vor Ort produziert, von Hand gemacht, kurze Transportwege, keine Zusatzstoffe – das
Bindemittel Kalk ist ein nachhaltiges Baumaterial für die Herstellung von Mauern, Mörtel, Verputzen und Farben.
Gebrannter Kalkstein war über Jahrtausende das einzige Bindemittel, bis er durch industriell hergestellte Produkte teilweise verdrängt wurde.
Das Naturprodukt Kalk hat hervorragende haptische und optische Eigenschaften, ist ökologisch und umweltverträglich, reparatur- und ausbesserungsfähig, diffusionsoffen und feuchteregulierend, luftreinigend und allergikerfreundlich, algen- und schimmelhemmend und langlebig.
Immer mehr Menschen interessieren sich für eine ökologische Bauweise, für einen respektvollen Umgang und Erhalt historischer Bausubstanz und für ein gesundes und langlebiges Bauen. Darum erfährt Kalk eine wachsende Beliebtheit.
KALKHERSTELLUNG – TRANSFORMATION VOM STEIN ZUM KULTURGUT
Holzgebrannter Kalk war vor 150 Jahren ein weit bekannter Baustoff. In jedem Dorf gab es mindestens eine Person, die wusste, wie man ihn herstellt und verarbeitet. Dieses Wissen droht in Vergessenheit zu geraten.
Durch die regionale Produktion mit dem einheimischen und erneuerbaren Rohstoff Holz erhält Kalk eine günstige Ökobilanz. Beim Kalkbrand wird das trockene Holz schnell und unter hohen Temperaturen verbrannt – ideale Bedingungen für eine emissionsarme Verbrennung.
Der CO2 Ausstoss ist dabei vergleichbar mit einer natürlichen Verrottung im Wald. Der C02 Haushalt der Kalksteine ist ein Kreislauf. Beim Abbinden nimmt der Kalk die gleiche Menge an CO2 wieder auf, welche er durch den Brand freigelassen hat.
3 Löschkalk (Kalkmilch) entsteht durch die Zugabe von Wasser zu Branntkalk. Dies löst eine stark exotherme Reaktion aus. In einer Grube unter ständiger Wasserüberdeckung gelagert, ist der sogenannte Sumpfkalk über Jahrzehnte haltbar
KALKVERARBEITUNG – EIN WEITES FELD
Die Möglichkeiten, was man alles mit Kalk machen kann sind enorm. Hier eine kleine Auswahl:
-Mauermörtel
-Verputzmörtel
-Unterschiedliche Feinputze
-Wasserabweisende Kalkglätten
-diverse Bodenbeläge
-«Al-Fresco»
-Malerei
-Sgraffito
-Kalkkaseinfarben
-usw.
KALKBRENNEN – EIN KULTURERBE
Die frühesten Spuren von Kalk als Bindemittel lassen sich bereits 12.000 Jahre v. Chr. nachweisen. Viele der alten Kulturen des Orients, Chinas, Mittel- und Südamerikas begannen ab 3.000 v. Chr. mit dem Einsatz von Kalkmörtel für ihre Bauwerke. Später waren es vor allem die Römer, welche die Techniken des Kalkbrennens weiterentwickelten und perfektionierten.
Bis Mitte des 20. Jahhunderts war der Baustoff Kalk das am weitesten verbreitete Material für die Herstellung von Bodenbelägen, Mörteln, Putzen und Anstrichen. Der Portlandzement und die industrielle Herstellung von global vermarkteten Billigprodukten führte dazu, dass jahrtausendealtes Wissen über traditionelle Kalkverarbeitungstechniken verloren ging.
Dank engagierter Fachpersonen, welche sich in der Kalkverarbeitung spezialisiert haben, ist Kalk bis heute in der Architektur, der Denkmalpflege, wie auch in der Baumalerei und Sgraffitokunst präsent. Der ökologische und vielfältige Baustoff Kalk erfährt eine wachsende Beliebtheit. Kalkanwendungen bergen ein reiches Potential.
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Rahel Pilous, Ressort Administration
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