Kalköfen von Ramosch

Überreste einer früheren Kalkproduktion auf der Ebene Plan da Chomps neben dem Inn bei Ramosch. Es ist die Ruine eines Unterstands zu erkennen. Weiter hinten sind die portale ehemaliger Kalkbrennöfen zu sehen.

Im ganzen Gebiet der Unterengadiner Dolomiten wurde Mörtel aus Kalkgestein und kalkigem Dolomit gewonnen. Davon zeugen noch zahlreiche Mauerreste von kuppelförmigen Kalköfen und in der Nähe herumliegende weisse, gebrannte Steine. Im Untersuchungsgebiet sind solche in Trupchun, Il Fuorn, Alp Stabelchod, Val Naira und Mingèr Dadora zu finden. Kalk war als Mörtel für die Mauerwerke über Jahrhunderte hinweg ein unentbehrliches Mittel. Einerster markanter Höhepunkt der Kalkbrennerei liegt im 16. und 17. Jahrhundert. Zu dieser Zeit wurden die Häuser im Engadin – bis dahin gfösstenteils aus Holz gebaut – ummauert. In späteren Zeiten kam es jeweils nach Dorfbränden zu einem grösseren Kalkbedarf. (1)

Kalköfen von Ramosch
Im Talboden, auf der Ebene Plan da Chomps neben einer Weide, sind die Überreste alter Kalköfen erkennbar, welche für den Wiederaufbau von Ramosch nach den Bränden 1880 und 1881 eingesetzt wurden. (2)

  1. Parolini, Jon Domenic (1995), Zur Geschichte der Waldnutzung im Gebiet des heutigen Schweizerischen Nationalparks, Diss. ETH Nr. 11 187, S. 46-47
  2. scuol-zernez.engadin.com (2019) Ortsbroschüre Ramosch-Vnà

Die Ruine eines Unterstands bei Ramosch kehrt langsam zur Natur zurück. Die Mauern werden aus einem vor Ort produziertem Branntkalch Mörtel zusammengehalten, welcher wahrscheinlich 140 Jahre alt ist. Die nah gelegenen Kalkbrennöfen waren im Zeitraum 1880-1881 in Betrieb und somit der Unterstand zur gleichen Zeit erbaut.

Erste Spuren am Boden weisen darauf hin, dass sich eine ehemalige Kalkgewinnungsstätte ganz in der Nähe befindet. kleine Stücke Branntkalk und weisse gebrannte Kalksteine sind in der Gegend rund um historische Kalköfen zu finden.

Ruine eines grossen Kalkbrennofens in der nähe von Ramosch. Hier wurde in den Jahren 1880-1881 nach einem Dorfbrand in Ramosch Kalkstein gebrannt um den Bedarf an Branntkalk für den Wiederaufbau des Dorfes zu decken.

Historisches Mörtelstück ca.140 Jahre alt von einer Aussenmauer. Die ersichtlichen grösseren weissen Stücke sind sogenannte Kalkspatzen.

Kalkspatzenmörtel ist ein trocken gelöschter Mörtel, welcher unzählige historische Bauten auf der ganzen Welt verteilt zusammenhält.

Kalkspatzen erhöhen die Druckfestigkeit und bergen ein Selbstheilungspotenzial. Die Kalkspatzen fungieren als Calciumhydroxid Reservoir, welches beim eindringen von Wasser ausgelöst wird und in entstandenen Rissen ausfällt.

Historisches Verputzstück ca. 140 Jahre alt von einer Aussenmauer. Diese Putz ist al Freco gestrichen worden, dass heisst auf den noch feuchten Feinputzmörtel mit Kalkmilch gestrichen worden. Beim gemeinsamen Abbinden ist so ein steinharter Verbund entstanden.

Eine Ruinenmauer am Zerfall ausgesetzt, da ungehindert Wasser von oben eindringen kann. Im Gegensatz zu zementösen Bindemitteln klebt der natürliche Kalkmörtel nicht unwiederruflich an den Steinen fest. Somit kann die Mauer umweltverträglich in seine Einzelteile zerfallen. Die gorssen Steine können sogar problemlos wieder Rezycliert werden und für andere Gebäude wiederverwendet werden, da sich die Mörtelreste einfach abbürsten lassen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ruine eines kleineren Kalkbrennofens in der nähe von Ramosch ist dem Verfall ausgesetzt.