TRADITIONELLES HANDWERK – PFLEGE UND VERMITTUNG – IMMATERIELLES KULTURERBE – SGRAFFITO

 

Ein Projekt von kalkwerk in Kooperation mit der Stiftung Pro Kloster St. Johann in Müstair, Biosfera Engiadina Val Müstair und der Fundaziun Nairs: Internationaler Vernetzungsworkshop von Menschen die in der Pflege und Vermittlung von immateriellem Kulturerbe tätig sind. Fachleute aus der Architektur sowie Handwerker und Handwerkerinnen aus acht Ländern erstellten ein Sgraffito in traditioneller Technik in Scuol. Der Workshop bot eine einzigartige Gelegenheit, sich mit Expertinnen und Enthusiasten im Bereich des traditionellen Bauhandwerks mit Kalk auszutauschen und wertvolles Handwerkswissen zu teilen. Die Woche in Scuol im August 2023 war der erste Teil, es folgte im Sommer 2024 der zweite in Müstair.

FORSCHUNG:  BRANDUNTERSUCHUNGEN AN DER ETH ZÜRICH

Im Herbstsemester 2022 untersuchten Studierende der Materialwissenschaften in Laboren der ETH von uns gelieferte Dolomitsteinblöcke. Unter der Leitung von kalkwerk-Mitglied Prof. Caseri wurden in einem Brennofen verschiedene Aufheizgeschwindigkeiten, Maximaltemperaturen und Brenndauern getestet. Dabei wurden Gewichtsverlust, CO2-Konzentration und Leistungsbedarf des Keramikofens kontinuierlich aufgezeichnet. Anschliessend hat kalkwerk-Mitglied Jörg Lang Mörtelproben mit den wie oben beschrieben verschieden gebrannten Dolomitstückkalken angertigt, und wird über das folgende Jahr wissenschaftliche Messungen daran vornehmen (Drucktests). Ziel ist es, den Brennvorgang allgemein besser zu verstehen und die damit zusammenhängenden Prozesse optimieren zu können. 

Ausserdem stehen Temperatursonden, welche direkt im Kalkofen montiert werden können für den nächsten Kalkbrand bereit!

FORSCHUNG:  MÖRTELUNTERSUCHUNGEN IM LABOR IN SEMPACH

Wir wollen herausfinden, welche Brennart den optimalen Mörtel ergibt. Dafür wird der an der ETH Zürich gebrannte Dolomit zu Kalkmörtel verarbeitet und wissenschaftlich untersucht:

Im Dezember 2022 haben kalkwerk-Mitglieder Jörg Lang und Urs Amrain die an der ETH Zürich gebrannten Dolomit-Proben abgeholt. Mitte Januar 2023 sind die verschiedenen Mörtelproben in einem Labor in Sempach bereits angesetzt.  Neben den Dolomitstückkalk-Proben der ETH wurden auch Dolomitstückalk vom Kalkbrand 2020 und 2022 in die Versuchsreihe aufgenommen. Der Unterengadiner Dolomit stammt dabei immer vom selben Fundort in der  Val Trigl und wurde stets im gleichen Kalkofen in Sur En da Sent gebrannt. Als Vergleich wurden zusätzlich auch Mörtelproben mit Feinstückalk Nekafer FN 15 angefertigt.

Erste Beobachtungen beim Anmachen der Mörtelproben:

-niedrig gebrannter Dolomitstückkalk ist weniger reaktiv (exotherme Reaktion beim Löschen) als höher gebrannter Dolomitkalk. Trotzdem lässt sich damit einen guten Mörtel herstellen. Einzig der Anmachwasserbedarf ist höher beim niedrig gebrannter Dolomitstückkalk.

-Generell lässt sich beobachten, dass je höher die Brandtemperatur, desto reaktiver und plastischer ist der daraus hergestellte Kalkmörtel.

-Die Reaktivität (exotherme Reaktion beim Löschen) bei der Mörtelherstellung mit dem Netstaler Stückkalk (Im Gasbrennofen gebrannt) erwies sich als deutlich höher als beim Dolomitstückkalk. Der Anmachwasserbedarf ist in etwa der Doppelte. Dies hat aber zur Folge, dass die Aushärtung stark verzögert und der Schwund sehr hoch ist bei den FN15 Mörtelproben.

Wir sind gespannt, wie sich Brenntemperatur, Brenndauer und Aufheizgeschwindigkeit während des Kalkbrandes auf die Qualität des Mörtels und dessen Druckfestigkeit auswirken. Könnte es sein, dass «slow» gebrannte (Dolomit)Kalke bessere Mörtel ergeben, als industriell gebrannte und schnell erhitzte Kalke?

KALK-HANDWERK PUBLIKATIONEN

Wir möchten das Handwerk der Kalkherstellung und Verarbeitung vermehrt ins Bewusstsein rücken. In Zukunft planen wir Publikationen, um von Kalktechnik und Kalkbrennen zu berichten. Eine erste Broschüre kann für 15 Fr.- zuzüglich Porto bei info@kalkwerk.ch bestellt werden.

CHALCHERA – KALK IN TRANSFORMATION

Das Buchprojekt greift das traditionelle Handwerk der Kalkverarbeitung aus der Vergangenheit auf, um über den Transformationsprozess die Bedeutung und das Potential des Materials im Heute zu erkunden.

Mit Textbeiträgen von:

Nott Caviezel
Ueli Fritz und Anne Krauter Kellein
Raimund Rodewald
George Steinman
Carlo Vagnières

© 2020 Fundaziun Nairs, Myriam Gallo, Christof Rösch und Verlag Scheidegger & Spiess AG, Zürich, Gestaltung: PIN, St. Gallen (Samuel Bänziger, Rosario Florio und Larissa Kasper)

ERFOLGREICHES CROWDFUNDING FÜR KALKBRAND 2020

KONSERVIERUNG VOM ZERFALL BEDROHTER KALKÖFEN

Es gibt etliche Zeugen der baukulturellen Bedeutung von Kalk in Form von Kalköfen, welche jedoch vom Zerfall bedroht sind. Wir möchten solche Herstellungstätten mit minimalen Eingriffen davor schützen, engültig zu verschwinden.

-CHALCHERAS BEI LENZ

Die Gemeinde Lenz hat vor im Jahr 2023 Kalköfen bei Lenz Instandzuhalten und mit Infotafeln für die besondere Bedeutung für die Baukultur des Dorfes zu sensibilisieren.

-KALKOFEN BEI GUARDA

Die Gemeinde Scuol hat im Jahr 2023 den Kalkofen an der Strasse nach Guarda in der Nähe des Bahnhofs von Joannes Wetzel, Kalkkunst GmbH restaurieren lassen mit dem von kalkwerk gebrannten Kalk.

-KALKOFEN SUR EN DA SENT

Ein Bild der Ruine des Kalkofens «Chalchera Stella» in Sur En da Sent beim Wiederaufbau 2017.

 

KONTAKT

Rahel Pilous, Ressort Administration

info@kalkwerk.ch

 

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Dentenberg 81

3076 Worb

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