202602Jun11:2311:23Kalkbrand im Freilichtmuseum SalzburgVom 13. bis 19. April 2026

Event Details

Bericht von Jörg Lang
Nachdem beim letztjährigen Kalkbrand im Juni 2025 die schützende Holzhütte über dem Kalkofen in der ersten Nacht in Vollbrand geraten war und der Kalkbrand abgebrochen werden musste, versuchte es das Team des Freilichtmuseums mit dessen Direktor Peter Fritz im April 2026 nochmals.
Diesmal jedoch ohne aufgebaute Holzhütte über dem Ofen.
Der Kalkofen stammt ursprünglich aus Vorderelsenwang in Hof bei Salzburg.  Er ist datiert auf den Anfang des 20. Jahrhunderts und wurde 2006 ins Museum gebracht. Leider ist die Lage bezüglich der Windrichtung nicht optimal, was auch die Ursache des letztjährigen Brands der Holzhütte durch einen Hitzestau war.
Neben dem Kalkbrand wurde – wie im letzten Jahr im Ballenberg – am Freitag, 17. April ein Workshop „Traditionelles Kalkbrennen und seine Bedeutung im 21. Jahrhundert“ durchgeführt.
Wir vom Verein kalkwerk wurden eingeladen, über die Aktivitäten in der Schweiz zu berichten.
Leta Büchi und Jörg Lang reisten bereits am Dienstag, 14.4. nach Salzburg, um das Brennen des Kalkes mitzuverfolgen und uns mit Gleichgesinnten austauschen zu können.
Am Mittwochmorgen wanderten wir frühmorgens zu Fuss von unserer Unterkunft im Deutschen Bad Reichenhall zum Freilichtmuseum Salzburg, wo wir von Peter Fritz empfangen und von ihm mit Museums-Freikarten für den gesamten Zeitraum unseres Aufenthalts ausgestattet wurden.
Er führte uns zum Kalkofen, welcher im Osten der Anlage neben den Unterhaltsanlagen steht. Gerade wurden noch die letzten Kalksteine, sogenannter „Untersberger Marmor“ des nahegelegenen Steinbruchs, für den Brand eingeschichtet. Den Brand führten die Mitarbeiter des Freilichtmuseums gemeinsam mit dem Unterhaltsteam der Burgen und Schlösser von Salzburg durch. Dies unter fachkundiger Leitung von Hannes Weissenbach und seiner Gehilfin Hanna Glaser vom Weiterbildungszentrum der österreichischen Baudenkmalpflege, Kartause Mauerbach bei Wien. Hannes Weissenbach ist Restaurator und Dozent an der Klosterschule Mauerbach. Er hat schon mehr als 50 Kalkbrände durchgeführt und besitzt an der Weiterbildungsstätte einen kleinen Feldofen für Schulungszwecke. Mit der Kapazität von ca. 2 Tonnen Kalkstein ist der Ofen in Mauerbach auch ideal für Brandversuche.
Schon bald bekamen wir Besuch von einem Filmteam um die Regisseurin Andrea Oster, welche für den Fernsehsenders ARTE einen Dokumentarfilm über die Entstehung des 400-jährigen St. Petersdom in Rom produziert. Dabei spielt Kalk als Bau- und Kunstmaterial eine wichtige Rolle. Es war spannend zu verfolgen, wieviel Aufwand hinter einigen wenigen Minuten Film stecken. Der Film soll im Spätherbst ausgestrahlt werden.
Nachdem die letzten Steine gelegt waren, wurde der Wärmeschutzdeckel aus altem Sumpfkalk aufgetragen. Der Rand blieb dabei frei, um später mit den tönernen Dachziegeln den Wärmefluss zu regulieren.
Am Mittwochnachmittag um circa 14 Uhr wurde das Feuer für den Kalkbrand entfacht. Wie üblich wurde zuerst behutsam eingefeuert und erst am nächsten Tag voll aufgeheizt. Dies, um die noch feuchten Steine nicht zu sprengen und den Einsturz des Gewölbes nicht zu riskieren.
Im Unterschied zu unseren Feldöfen besitzt dieser Ofen einen relative grossen Feuerraum, einen Eisenrost und ein Aschefach unter dem Feuerraum. Dieser ist zudem mit einer grösseren Eisentüre versehen, was wir bei uns in der Schweiz nicht kennen.
Wie üblich gab es auch diesmal aufschlussreiche Gespräche um die Themen: wie wird richtig gefeuert; wann ist der Kalk durchgebrannt. Laut Hannes Weissenbach haben alle Kalkbrenner*innen ihre eigenen Erfahrungen mit ihrem Kalkstein und Brennmaterial. Er selbst verwendet keinen Temperaturmesser, sondern beurteilt den Brandfortschritt anhand der Farbe der Feuerflamme und der Steine. Ihm ist wichtig, dass der Luftzug gut eingestellt ist und der Verbrennungsprozess des Holzes optimal ist, so, dass kein schwarzer Rauch entsteht oder sich über dem Ofen Rauchgase bilden.
Beim Ofen im Salzburg ist mit dem Rost und dem Aschefach eine sehr gute Luftzufuhr möglich, so dass keine Verkohlung des Holzes stattfindet und im Aschefach die herabfallenden Glutreste restlos verbrennen. Während unseres viertägigen Aufenthalts wurde kein einziges Mal Asche herausgezogen.
Der Brand wurde in zwei 12-Stundenschichten durchgeführt. Eine Gruppe war von 6 bis 18 Uhr am Ofen im Einsatz, die zweite Gruppe übernahm die Nachtschicht. Hannes und Hanna waren tagsüber meistens anwesend und gaben den interessierten Besucher*innen Auskunft zu Kalk und Kalkbrennen. Auch instruierten sie die Kalkbrenner über das richtige Feuern. Mit jedem neuen Tag konnte man deutlicher beobachten, wie die Steine heisser wurden und bis hin zum Glühen kamen.
Am Freitag fand noch unser Kalkworkshop mit interessierten Gästen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz statt. Dafür reisten auch Philip Kaiser vom Vereinsvorstand kalkwerk und Patrick Bürgin mit Silvan Amrein vom Ballenberg nach Salzburg.
Nach den Vorträgen zum Kloster Mauerbach, dem Kalkbrennen in Ballenberg und zu den Aktivitäten von kalkwerk trafen wir uns zu einem kleinen Rundgang, um mehr über den Kalk im Freilichtmuseum Salzburg zu erfahren. Danach hatten wir gemütliche Stunden beim Kalkofen, wo weitere rege Fachgespräche stattfanden, unter anderem mit Katrin Dullinger, Geschäftsführerin der regionalen Dullinger Sumpfkalk-Manufaktur.
Am Samstag war Familientag. Besucher*innen, viele in traditionellen Kleidern, scharten sich um den Kalkofen, um mehr über dieses alte Handwerk zu erfahren.
So wie es aussieht, ist der Brand gelungen. Einzig die Steine beim Gewölbe bei der Eisentüre sind wohl nicht ganz durchgebrannt. Es ist vorgesehen, den Kalk zum Teil für das Freilichtmuseum und zum Teil für Restaurationsversuche der Festung Hohensalzburg in Salzburg zu verwenden.
Leider konnten Leta und ich nicht bis zum Ende des Brands dabei sein. Wir reisten am Sonntagmorgen zurück in die Schweiz.
Die Gespräche und Begegnungen waren eindrücklich und spannend. Das Thema Kalk und Kalkhandwerk bewegt auch unsere Nachbarn in Österreich sehr. Der Fachaustausch ist unabdingbar, um gemeinsam vorwärtszukommen.
Hannes Weissenbach lud uns vom Vorstand kalkwerk herzlich dazu ein, am Europäischen Tag des Denkmals am 27. September 2026 im Kloster Mauerbach einen Vortrag zu unserem Wirken zu halten.

Mit Kalkgruss aus Salzburg, Jörg
Links:

Freilichtmuseum Salzburg
https://www.freilichtmuseum.com/de

ORF AT 26. Juni 2025 / Historischer Kalkofen ausgebrannt
https://salzburg.orf.at/stories/3311081/

Lokaler Kalkstein Untersberger Marmor
https://de.wikipedia.org/wiki/Untersberger_Marmor

AT Bundes Denkmalamt Kartause Mauerbach
https://www.bda.gv.at/themen/kartause-mauerbach.html

Podcast von Hannes Weissenbach
Baustoff Kalk: Jeder kennt ihn, wenige wissen Bescheid
https://cba.media/718412

Dullinger Sumpfkalk
https://www.kalk.at/

Osterfilm
https://www.andrea-osterfilm.eu

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