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(Dolomit)Kalkbrand 2024 – Basis einer Baukultur Schlussbericht

(Dolomit)Kalkbrand 2024 – Basis einer Baukultur

Schlussbericht

 Basisdaten

Titel: Kalkbrand 2024 – Basis einer Baukultur

Ort: Kalkofen in Sur En da Sent, Unterengadin GR

Trägerschaft: Verein kalkwerk mit Sitz in Scuol

Verantwortliche Personen:

Delphine Schmid (Präsidentin, Architektin MSc ETH Arch),

Joannes Wetzel (Kalkist), Christof Rösch (Künstler/ Architekt),

Philipp Kuntze (Innenarchitekt/ Handwerksexperte)

E-Mail: info@kalkwerk.ch

1        Projektverlauf

1.1      Kurzzusammenfassung

Im Sommer 2024 konnte der Verein kalkwerk einen weiteren traditionellen Kalkbrand durchführen und damit einen wichtigen Beitrag zum Erhalt des immateriellen Kulturerbes der Kalkbrennerei leisten. Dabei konnten 8.3 Tonnen holzgebrannter Stückkalk gewonnen werden. Dieses hochwertige Bindemittel kann nun bei regionalen Bauprojekten und zur Reparatur von historischen Bausubstanz verwendet werden. Der Brennprozess wurde von einem Team vom Departement Materialwissenschaft der ETH Zürich begleitet, das erstmals Temperaturen im inneren eines Brennofens erfasste.

1.2      Zeitprogramm
  1. Mai Steine sammeln in der Val Trigl
  2. – 20. Mai Steine im Ofen einbauen
  3. – 28. Juni Aufbau Infrastruktur
  4. Juni Preisverleihung an den Verein kalkwerk ­­‑ Innovationspreises
    Regionalentwicklung Unterengadin / Val Müstair
  1. Juni – 6. Juli Kalkbrand
  2. Juli Sgraffito Workshop mit Kindern – Spass da vacanzas
  3. Juli Führung zu den Restaurierungsarbeiten im Kirchenturm Sent
  4. – 14. Juli Abkühlzeit
  5. – 19. Juli Entnahme des gebrannten Kalks

Während des Kalkbrandes fanden täglich Führungen statt und Besuchende waren jederzeit willkommen.

2       Zielerreichung

2.1      Wiederbelebung immaterielles Kulturerbe

Europaweit gilt das Handwerk der Kalkbrennerei und der Kalkanwendung als immaterielles Kulturerbe. Durch die regelmässige Wiederholung der Kalkbrände im Zweijahresrhythmus kann auf Erfahrungen aufgebaut und fortwährend neues Wissen gewonnen werden. Das kollektive Wiedererlernen eines alten Wissens belebt eine sehr spezifische handwerkliche Praxis neu.

Viele kalkwerk Mitglieder hatten inzwischen die Gelegenheit bei mehreren Kalkbränden aktiv mitzuwirken, sei es beim Befüllen des Kalkofens mit Dolomitsteinen (Abb. 3), beim Vorbereiten des Brennholzes, beim Erstellen des Lehmdeckels oder beim siebentägigen Feuern. Das Wissen kann so nicht nur innerhalb des Vereins weitergegeben, sondern auch durch die Beteiligten in andere Regionen getragen werden.

2.2      Kulturelle Beteiligung

Wie bei jedem Kalkbrand, stand es allen offen, jederzeit beim Kalkbrand vorbeizuschauen, Fragen zu stellen und mitzuhelfen. Die Bandbreite an Interessierten war über alle Altersgruppen hinweg verteilt. Durch die Veranstaltung eines Sgraffito Workshops im Rahmen von «Spass da Vacanzas» in Zusammenarbeit mit dem Verein Creacumün konnte die Faszination für die lebendige Tradition Sgraffito und das Wissen rund um das Sgraffito Handwerk an eine einheimische jüngere Generation weitervermittelt werden (Abb. 4).

2.3      Wissensgewinn und Austausch

Unter den aktiven Mitgliedern zeichnet sich auch gleich unsere interdisziplinäre Zielgruppe ab. Es sind Handwerkende, welche mit dem Material arbeiten, es sind Forschende aus Archäologie, Geologie und Chemie, es sind allgemein Kulturinteressierte, sowie Hausbesitzende mit Bauvorhaben, es sind Künstler*innen, Medienschaffende, Architekt*innen, Farbplanende und Fachleute aus der Bauforschung und Restaurierung. Bei den Kalkbränden kommen diese Personen auf Augenhöhe zusammen, verbringen intensive Tage miteinander, lernen Neues und tauschen sich aus. Mit jedem weiteren Kalkbrand wächst sowohl das Netzwerk als auch das gemeinsame Know-how.

2.4      Dolomitgewinnung

Holzgebrannter Stückkalk, bzw. Sumpfkalk ist essenziell für hochwertigem, handwerklich hergestelltem Kalkmörtel. In der Schweiz gibt es nur noch sehr selten Kalkbrände, weshalb qualitativ hochwertiger Kalk für die Restaurierung historischer Bausubstanz kaum verfügbar ist.  Durch die Herstellung von 8.3 Tonnen Stückkalk beim Kalkbrand 2024 wird die Basis einer Baukultur gefördert. Insbesondere im Engadin, da Dolomitbrände in der Schweiz dort einzigartig sind.

3     Besondere Erfolge

3.1 Experimentelle Archäologie kombiniert mit Forschung

Da sich die Kalkbrenn-Feldöfen der Römerzeit, des Mittelalters und des 18. Jahrhunderts kaum unterscheiden » – auch wenn jeder für sich ein Unikat ist -» liegt die Vermutung nahe, dass sich auch die Technik des Kalkbrennens im Wesentlichen nicht verändert hat. Beim Kalkbrennen im 2017 restaurierten Kalkofen in Sur En da Sent kann also eins zu eins nachvollzogen werden, wie es damals gemacht wurde.

Beim Kalkbrand 2024 hat ein Team vom Departement Materialwissenschaft der ETH den Brand wissenschaftlich begleitet und bereits beim Einbau im Frühling an die 16 Temperatursonden im Inneren des Ofens platziert und diese dokumentiert. So konnten während dem Brand laufend Temperaturen innerhalb des Ofens gemessen werden. Die Kombination moderner Messtechnik mit traditionellem Bauhandwerk stellt ein bemerkenswertes Novum dar. Die Temperatur wurde mehrmals pro Minute erfasst und in Echtzeit an einem Computer vor Ort übertragen, wo sie laufend in einem Graphen dargestellt und gespeichert wurden (Abb. 1, 2). Zum ersten Mal erhielten die Kalkbrenner*innen ein visuelles Feedback des Temperaturverlaufs im Inneren des Ofens, das Hinweise über den laufenden Brennprozess lieferte. Das Feuer wurde am Samstag, 29. Juni 2024 um 10:39 entfacht und am frühen Morgen des 6. Juli 2024 für die Auskühlungsphase verschlossen.

Folgende Beobachtungen und Erkenntnisse konnten gewonnen werden. Jede Erkenntnis führt zu neuen Fragen.

  • Im Vorfeld hatte Prof. Dr. Walter Caseri und sein Team vom Departement Materialwissenschaft der ETH verschiedene Dolomitsteine im Brennofen geprüft. Dabei haben sie festgestellt, dass die Brenndauer bei einer gegebenen Temperatur in einem mehr oder weniger linearen Verhältnis zum Gewicht der Steine steht und dass die Brenndauer zwischen 830 °C und 890 °C stark von der Temperatur abhängt. Anhand der gesammelten Brenndaten lassen sich nun erste Einschätzungen darüber treffen, welche Temperatur und Dauer nötig sind, um Steinbrocken einer bestimmten Grösse vollkommen zu transformieren.

Frage: Verhält sich Kalk und Dolomit vergleichbar?

  • Es wurde unter Kalkbrennerkreisen angenommen, dass der Lehmdeckel erst nach 24h als Isolation angebracht werden könne, da noch Wasser aus den Steinen entfliehen müsse. Nach der Aussage von Dr. Prof Walter Caseri enthält der verwendete Dolomit aber kein Wasser, sodass mit dem frühen Auftragen des Lehmdeckels der Vorteil einer schnelleren Aufwärmphase angestrebt wurde. Der Lehmdeckel wurde 2024 daher nach bereits 8 Stunden aufgetragen. Der Anstieg der Heizkurve ab der Fertigstellung des Lehmdeckels war erkennbar (Abb. 2).

Frage: Gibt es überhaupt Kalksteine die wesentliche Mengen Wasser enthalten?

  • Innerhalb des Kalkofens in Betrieb herrschen mit der Zeit Temperaturen von deutlich über 1’000 °C. Der Messbereich der Sonden erstreckt sich gem. Hersteller auf max. 1200 °C, und diese Temperatur wurde erreicht oder sogar übertroffen (eine genauere Analyse der Temperaturmessungen wird noch vorgenommen). Die Sonden wurden während dem Brand sehr stark in Mitleidenschaft gezogen und einige sind durch das Zusammensacken der gebrannten Dolomitmasse in der Abkühlphase (oder schon vorher?) zerbrochen.

Frage: Was passiert, wenn der transformierte Stein «zu hoch» erhitzt wird?

  • Im Verlauf der Tageszeiten und des Brennfortschritts ist die Temperatur nie überall gleich, Differenzen von ca. 200° kommen ständig vor. Jedes Stück gebrannter Dolomit aus dem Ofen hat somit eine eigene spezifische Brenngeschichte. Einzelne Temperaturangaben von Kalkbränden in Feldöfen sind daher immer krasse Vereinfachungen. Um zu eruieren, ob die Position im Ofen einen Unterschied auf die Eigenschaften des Stückdolomits hat, wurden Proben entnommen und von Jörg Lang untersucht.

Fragen: Spielt es eine Rolle wie genau ein Stein gebrannt wurde, ob schnell oder langsam? Was passiert, wenn der transformierte Stein «zu lange» erhitzt wurde?

  • Es gibt deutliche Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht, sowie innerhalb des Ofens zwischen Tal und Hangseite. Dies legt die Vermutung nahe, dass die Thermik und bessere Luftzufuhr eine Rolle spielen könnten, da die Brenntemperaturen in der Nacht deutlich höher sind als am Tag.

Fragen: Ist die Position des Kalkofens (mit der Schnauze auf ein Gewässer ausgerichtet) bewusst gewählt? Spielt die Thermik bei anderen Kalköfen auch eine Rolle?

  • Die Steigung des Temperaturverlaufs erfährt einen deutlichen Knick, bzw. der Temperaturanstieg pro Stunde eine Verlangsamung, sobald ca. 650° erreicht wurden. Folglich zeigt das Abflachen der Kurve ab dieser Temperatur den Kühleffekt der endothermen Reaktion bei der Transformation an. Für die vollständige Transformation der grössten im unteren- und den kleinsten im oberen Ofenbereich liegenden Dolomitsteine braucht dieser Feldofen 7 Tage und Nächte.

Frage: Wie lange braucht ein Kalkstein mit vergleichbarer Stein- und Ofen- Grösse?

  • In der Nacht vom dritten auf den vierten Juli zwischen 00:00 und 05:00 Uhr begannen die Temperaturanzeigen zum ersten Mal stark, aber periodisch zu schwingen/schwanken. Diese wilden Temperaturschwankungen fielen mit Flammenbildungen im Deckelbereich zusammen (Abb. 5). Dass die Werte sich tagsüber wieder normalisieren, deutet darauf hin, dass die Temperatursonden weiterhin funktionieren und die Flammenbildungen zurückgegangen sind.

Fragen: Warum treten die Temperaturschwankungen nachts auf? Warum treten diese synchronen Temperaturschwankungen in regelmässigen Abständen von ca. 10 min bis 1 h auf? Warum «normalisieren» sich die Temperaturanzeigen tagsüber wieder?

  • Bei allen bisherigen Dolomitbränden (2013, 2014, 2017, 2020, 2022, 2024) wurden Flammen an Öffnungen im Lehmdeckel ab einer Temperatur von etwa 600 °C beobachtet – typischerweise ab dem fünften Brenntag. Dieses Phänomen lässt sich mit der Nachverbrennung erklären. Während der Verbrennung entstehen brennbare Gase wie Kohlenmonoxid (CO), Wasserstoff und unverbrannte Kohlenwasserstoffe, die nicht sofort oxidiert wurden. Diese Gase steigen im Ofen nach oben und entzünden sich dort, wenn sie auf ausreichend Sauerstoff treffen und die nötige Zündtemperatur erreicht ist. Im Brennofen geschieht dieser Prozess automatisch – ohne äußeres Zutun. Die Flammen sind dabei durch Lücken im Lehmdeckel sichtbar.

Schlussfolgerung: Die Flammen unterhalb des Lehmdeckels sind ein Indikator für Temperaturen ab etwa 600 °C im oberen Ofenbereich. Sie treten dann auf, wenn genügend brennbare Gase aufsteigen und sich mit Sauerstoff vermischen.

 

Frage: Kommt der zur Zündung notwendige Sauerstoff aus der Brennkammer als aufsteigende heiße Zugluft oder wird er durch Öffnungen im Lehmdeckel aus der Umgebungsluft angesaugt?

3.2 Breites Engagement und wachsende Bewegung

Das Interesse der Mitglieder, den Prozess zu begleiten und die Bereitschaft mehrere Tage (auch Wochen) mitanzupacken, war überwältigend. Durch die Aufteilung der Arbeit in zwei Etappen – dem Steinesammeln und Einschichten im Ofen im Frühling und dem Kalkbrennen und Ernten im Sommer – konnten sich mehr Helfende Zeit nehmen und dabei sein. Viele Menschen können Berge versetzen, so wurden die 16 Tonnen Steine in wenigen Stunden aufgesammelt. Auch andere Arbeiten konnten in einem motivierenden Tempo durchgeführt werden.

3.3  Hotspot für Fachleute und überregionaler Austausch unter Kalkbrenner*innen

Vieleicht aufgrund des Datums außerhalb der Schulferien oder/und der Mitwirkung eines Teams der ETH, konnten wir diesmal unter den Besuchenden einen bemerkenswerten hohen Anteil an hochkarätigen Fachpersonen feststellen. Der Besuch und Mithilfe des Kalkbrand-Teams vom Ballenberg haben uns besonders gefreut und unterstrichen die Bedeutung der überregionalen Partnerschaft. Der Austausch unter praktizierenden Kalkbrenner*innen ist sehr wertvoll, da sich die Gelegenheit nur selten bietet.

3.4     Innovationspreis der Region 2023

Die Region Engiadina Bassa/Val Müstair (EBVM) zeichnet mit dem Innovationspreis jedes Jahr ein innovatives Unternehmen, Projekt oder Produkt aus. Im Frühjahr 2024 wurde der Verein kalkwerk mit Sitz in Chaflur, Strada mit dem Innovationspreis 2023 ausgezeichnet. Die Übergabe des Preises fand zum Auftakt des Kalkbrands 2024 am 28. Juni vor Ort statt und erhielt durch die Anwesenheit von Mitgliedern, Aita Zanetti (Gemeindepräsidentin Scuol), Victor Peer (Gemeindepräsident Valsot) und Martina Schlapbach (EBVM) einen feierlichen Rahmen (Abb. 6).

4        Besondere Schwierigkeiten

4.1       Logistik

Der Kalkofen in Sur En ist nur über einen sehr holperigen Waldweg erschlossen, der seit 2017 nicht mehr unterhalten wurde. Tiefe Mulden und Löcher erschweren die Anlieferung und den Abtransport von Material und temporärer Infrastruktur. Der gewonnene Stückkalk wird in luftdichten 60L Fässer abgefüllt und in einem Lager aufbewahrt, das die Gemeinde Scuol dem Verein kalkwerk zur Verfügung stellt. Der Transport von rund 130 Fässer mit Stückkalk vom Kalkofen zum Lager ist eine Herausforderung. Aufgrund der Platzverhältnisse im Lager müssen 3 Fässer aufeinandergestapelt werden. Bisher hat dies mit viel Schwung und Muskelkraft funktioniert, hätte aber grosses Potenzial der Vereinfachung. Zudem fehlt die Infrastruktur für das Einsumpfen von Stückkalk und die Lagerung des Sumpfkalkes – zum Beispiel in einer frostgeschützter Grube im Erdreich.

4.2       Lehmdeckel

Die Verwendung von regionalem Lehm als Isolationsdeckel auf der Kalksteinfüllung ist immer wieder Thema. Anstatt Erzlehm der Lohner Ziegelei haben wir dieses Mal fetten Lehm des Ziegelwerk Rhomberg aus Dornbirn verwendet, da dieser in der nahe gelegenen Val d’Uina für Wasserfassungen genutzt wurde und übrigblieb. Mit einem Drahtseil wurden im Teamwork etwa 10cm dicke Scheiben geschnitten und mit Lehmschlick als geschlossene Kuppel so fugenlos wie möglich auf die Steinfüllung platziert. Nach einigen Stunden war der Lehm getrocknet, wodurch sich Fugen bildeten, die erneut mit Lehmschlick verschlossen werden mussten. Das Auftragen des flüssigeren Lehms aus den vorherigen Kalkbrände hat besser funktioniert, da der Lehmdeckel praktisch fugenlos erstellt werden konnte.

5.    Wie es weitergeht

5.1  Restaurierung Ofenwände 2025 für nächsten Kalkbrand 2026

Die Ofenwände sind nach dem vierten Brand nun ziemlich beansprucht und müssen für einen weiteren Brand instandgesetzt werden. Geplant ist im Jahr 2025 einzelne Ofenwandsteine zu ersetzen und die gesamte inneren Ofenwände neu auszufugen. Ziel ist es die Tradition fortzuführen, sodass alle 2 Jahre ein Kalkbrand im Engadin stattfindet, nächster Kalkbrand 2026.

5.2  Diskussion und Veröffentlichung Forschungsergebnisse

Die fachübergreifende Diskussion der erfassten Daten vom Kalkbrand 2024 wird im Frühjahr 2025 angestrebt. Dabei kommen mehrere beteiligte Fachleute des Vereins kalkwerk zusammen, um die Resultate zu besprechen und Erklärungsansätze zu entwickeln. Dann werden weitere Versuche im Labor des Departements Materialwissenschaft der ETH durchgeführt, um herauszufinden was bei höheren Brenntemperaturen genau mit dem Dolomitstein passiert. Und Jörg Lang wird im Baulabor Sempach prüfen, ob es Unterschiede in der Bindekraft von Stückkalk aus unterschiedlichen Stellen des Kalkofens vom Brand 2024 gibt. Dafür wurden beim Ausräumen des Kalkofens gezielt Proben genommen. In naher Zukunft sollen die Untersuchungen, Ergebnisse und Diskussionen in einem geeigneten Medium publiziert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Eine Anfrage für ein Kurzreferat, bei dem die Erfahrungen vom Kalkbrand 2024 durch den Einsatz von Temperatursonden einer Fachrunde vorgestellt werden können, liegt von Seite der Verantwortlichen für den Wiederaufbau des Schulhauses im Ballenberg vor.

5.3  Immaterielles Kulturerbe Kalkbrennen braucht Anerkennung

In Deutschland sind die Zubereitung und Anwendung von traditionellem Kalkmörtel bereits seit 2016 im bundesweiten Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der UNESCO. Das Foto auf der Homepage der UNESCO Deutschland zeigt Joannes Wetzel (Kalkbrenner und Gründungsmitglied von kalkwerk) bei der Arbeit am Schloss Tarasp im Engadin. (https://bne.unesco.de/kultur-und-natur/immaterielles-kulturerbe/immaterielles-kulturerbe-deutschland/kalkmoertel)

In Spanien wurde die Tradition der Kalkherstellung (Kalkbrennen) in Morón de la Frontera 2011 von der UNESCO zum Immateriellen Kulturerbe der Menschheit erklärt.

In der Schweiz sind Kalkbrennen und die Zubereitung und Anwendung von traditionellem Kalkmörtel noch nicht auf der Liste der lebendigen Traditionen aufgeführt. Die Liste wurde vom Bundesamt für Kultur (BAK) 2012 in Zusammenarbeit mit den Kantonen erstellt und seither zweimal ergänzt. Der Kontakt mit dem BAK wurde von unserer Seite aufgenommen, damit die traditionelle Kalkbrennerei und der Kalk als historischer Baustoff so bald wie möglich ebenfalls in die Liste aufgenommen werden.

Die Bedeutung dieses Handwerkswissens für unser jetziges und zukünftiges baukulturelles Erbe kann nicht genug betont werden – Kalk als Basis einer Baukultur, nachhaltig, beständig, baubiologisch, identitätsstiftend, reparaturfähig, und zeitlos schön.

6     Anhang Bilder und Diagramme

6.1  Diagramme

Abbildung 1: Brenntests im Labor ETH Zürich mit Engadiner Dolomit

Abbildung 2: Aufzeichnung Temperatur der Sonden im Brennofen beim Kalkbrand 2024 in den ersten Stunden

6.2  Bilder

Abbildung 3: Einbau der Dolomitsteine und Temperatursonden

Abbildung 4: Sgraffito Workshop für Kinder beim Kalkbrand 2024

Abbildung 5: Flammenbildung aus dem Lehmdeckel am Donnerstag, 4. Juli 2024, um 21:00 Uhr, 6. Brenntag

Abbildung 6: Übergabe des Innovationspreises durch Martina Schlappbach (Regiun Engiandina Bassa/Val Müstair)

7     Dank

Das Projekt lebt vom persönlichen Engagement ganz vieler Kalkbegeisterten. Wir möchten allen Mithelfenden und interessierten Besuchenden von ganzem Herzen für ihr Mitwirken Danken.

Sonja Portmann, Donald Niebaum, Antje Brückner, Kuno Lechthaler, Michael Seisenbacher, Catherine Jelk, Jörg Lang, Urs Amrain, Aaron Müller, Joachim Florineth, Hansjürg Feuz, Beat Sommer, Cornelia Meyer, Carlos Lang, Martin Portmann, Carla Wetzel, Marcus Wetzel, Susanne Hoffmann, Mona Piliod, Tobias Hotz,  Anna-Julia Plichta, Stephanie Thomet, Benjamin Wepfer, Hanspeter Müller, Hulda Wild, Andrea Ratazzi, Toni Läderach, Werner Schönthaler, Wolfgang Bosshardt, Raphael Poth, Christoph Stahel, Johannes Studer, Andrea Böck, Giacinta Jean, Andrea Schär, Daniele Parla, Iso Lechthaler, Luna Böni, Christian Haller, Willy Iten, Manuel (Nachnamen leider unbekannt), Jon Duri Wetzel, Gabriela Brun, Mario Laurent, Philipp Kaiser, Manuel Lorz, Mario Benkovic, Willy Jossen, Tobias Bolfing und Martina Caseri, Danke Euch!

Das Team von Restaurator*innen von Berner Atelier 40a war erneut dabei, eine sehr hilfreiche eingespielte Crew: Eléonore Bernard, Meret Haudenschild, Elnara Andrianova, Max Butz, Linus Wettstein, Goizane Mendia, Anna Aegerter und Kamilla Ødegård.

Besonders gefreut hat uns den Besuch, Austausch und die Mithilfe des Teams Kalkbrennen Ballenberg: Leta Büchi, Rahel Pilous-Schnyder, Patrick Bürgin und Robert Rosati.

Die wissenschaftliche Begleitung und tatkräftige Unterstützung vom Team des Departements Materialwissenschaft der ETH Zürich erachten wir als grosses Glück: Walther Caseri, Thomas Schweizer, Martin Willeke, Samuel Frei, Jannis Ruppen, Alessandro Bellucci, Raphael Buess, Jeremi Setz, Camillo Sirvinski, Samuel Brugger und Louis Rohrer.

Entschuldigt, die Aufzählung ist nicht vollständig, jedoch ein Versuch die Vielfalt der zahlreichen Beteiligung zu erfassen.

Im Namen des Vorstandes kalkwerk

Delphine Schmid