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KALKWERK IN DER ROMANDIE

GV und Ausflug von kalkwerk in der Romandie

Samstag, 3. Juni 2023

„Commanderie“ in La Chaux bei Cossonay

Unsere GV begann mit etwas Verspätung um 10 Uhr im Rittersaal der Commanderie. Delphine führte mit Schwung durch die Traktanden, die Stimmung war gelöst, alle Anwesenden waren mit der Arbeit des Vorstands und des Vereins sehr zufrieden und gaben einstimmig Entlastung.
Etwas ausführlicher wurde einzig der Kalkbrand 2024 diskutiert: Soll er (zum zweiten Mal) im grossen Ofen in S-charl stattfinden? Die Idee stiess auf Zustimmung, unsere „Engadiner-Fachleute“ – Delphine, Joannes und ihre Helferinnen und Helfer – werden sie weiter verfolgen und uns über diese Pläne weiter informieren.

In dem kleinen Weiler La Chaux fällt die Commanderie als grosses Anwesen sofort auf. Gemäss Wikipedia wurde es 1223 von den Herren von Cossonay an den Templerorden verschenkt, 1315 ging es über an die Ritter des Johanniterordens. Der Rittersaal beeindruckt durch seine Grösse, und das ganze Haus wurde sehr stilvoll als kleines Hotel hergerichtet. Einige der kalkwerk- Ausflügler übernachteten auch dort.

gelöste Stimmung an der GV in La Chaux
gelöste Stimmung an der GV in La Chaux
gelöste Stimmung an der GV in La Chaux
gelöste Stimmung an der GV in La Chaux
Aufbruch vor der "Commanderie"
Aufbruch vor der «Commanderie»

„Château de La Sarraz“

Nach der GV begann unsere kleine Tour am Jurafuss. Mit Privatautos fuhren wir die kurze Strecke zum „Château de La Sarraz“. Dort wurden wir herzlich empfangen von Roger Simond, einem welschen Experte für historisches Mauerwerk und Putze.

Er erläuterte uns anhand vieler Details die von ihm teilweise geleiteten Renovationsarbeiten am Château. Seinen Vorschlägen zu schonendem, sach- und fachgerechtem Vorgehen bei Mauerverfestigung, Verputz, Malerei und Blendwerk wurde oft mit grosser Skepsis und manchmal ablehnend begegnet, auch vom beauftragenden Kanton Vaud. Der durchsetzungsstarke Roger ist einer der gefragtesten Experten der Romandie für alle solchen Arbeiten. Aber auch er hat of Mühe, das passende naturbelassene Material zu finden, sowie Handwerker, die mit diesen Materialien sachgerecht arbeiten können, z.B. mit selbst-gebranntem Kalk.

Beim imposanten Chateaux de la Sarraz empfängt uns Roger Simond
Beim imposanten Chateaux de la Sarraz empfängt uns Roger Simond
Der Torbogen zum grosszügigen Innenhof des  Chateaux de la Sarraz
Der Torbogen zum grosszügigen Innenhof des Chateaux de la Sarraz
Im Innenhof des  Chateaux de la Sarraz
Im Innenhof des Chateaux de la Sarraz
Roger Simond, der Experte für historisches Mauerwerk und Verputze
Roger Simond, der Experte für historisches Mauerwerk und Verputze

Besuch bei Luc – „meige matériaux, habitat vivant“

Eine dieser Fachpersonen ist Luc Meige, der zusammen mit Roger unserem Ausflug organisiert und begleitet. Wir besuchten seinen Betrieb, die Firma „Meige Matériaux“, durften uns darin frei bewegen und erhielten wertvollen Einblick in sein Angebot von naturbelassenen Materialien für Renovation, Verputz und Malerei. Auch hier entstand ein lebhafter Austausch unter den anwesenden Fachleuten.

Steinbruch im Schutzpark „Les Buis de Ferreyres“

Gleich in der Nähe von Luc’s Firma besuchten wir den Naturpark „Les Buis de Ferreyres“ mit dem verlassenen Steinbruch „la carrière jaune“, wo früher der für diese Gegend typische gelbe Stein gebrochen wurde. Das Gesicht der Stadt Neuchâtel zum Beispiel ist vom charakteristischen Farbton dieser Steinart geprägt.

Der imposante Kalkbruch  La Carrière Jaune im Naturpark Les Buis de Ferreyres bei La Sarraz
Der imposante Kalkbruch La Carrière Jaune im Naturpark Les Buis de Ferreyres bei La Sarraz
Der imposante Kalkbruch  La Carrière Jaune im Naturpark Les Buis de Ferreyres bei La Sarraz
Der imposante Kalkbruch La Carrière Jaune im Naturpark Les Buis de Ferreyres bei La Sarraz

Kalkofen im Wald

Mitten in diesem Schutzpark von pro Natura trafen wir auf Überreste eines Kalkofens und einer in einem Schutzbau konservierten Steinmühle. An diesem heissen Tag kam uns der Aufenthalt im kühlen Wald sehr entgegen, wo wir Rogers kompetenten Ausführungen zu diesem Fundort gerne lauschten. Hier fanden wir auch einen stillen Rastplatz für unser Mittags-Picknick.

Mitten im Naturpark Les Buis de Ferreyres finden sich Überreste eines Kalkofens
Mitten im Naturpark Les Buis de Ferreyres finden sich Überreste eines Kalkofens
Mitten im Naturpark Les Buis de Ferreyres finden sich Überreste eines Kalkofens
Mitten im Naturpark Les Buis de Ferreyres finden sich Überreste eines Kalkofens

Château d’Hauteville“ de St. Légier

Mitten in der grössten Tageshitze – aber mit drohenden Gewitterwolken – tauchten wir in eine neue Welt ein: durch eine grosszügige Allee gelangten wir zur imposanten Anlage des „Château d’Hauteville“ de St. Légier, einem herrschaftlichen Anwesen hoch über dem Genfersee bei Vevey. Es ist eines der schönsten Schlösser im Canton de Vaud und ein prächtiges Beispiel für die Raffinesse der Baukunst des 18. Jahrhunderts. Seiner lokal ausstrahlenden Bedeutung entsprechend, ist dem Schloss ein grosses Weingut angegliedert.

Bis 2018 war die ganze Anlage in Privatbesitz der Patrizierfamilie Grand d’Hauteville. Dann wurden Liegenschaft und Mobiliar für einen hohen Millionen-Betrag versteigert bis zum letzten Löffel des Tafelsilbers, was in der Romandie einige Empörung hervorrief.

Seit einigen Jahren wird die Schlossanlage nun mit Kosten von gegen 40 Millionen Franken totalsaniert und in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt. An diesem Prozess war und ist Roger Simond stark beteiligt, und er ist stolz darauf, wie in seinen Ausführungen im Schatten der Anlage immer wieder hör- und sichtbar wird. Sehr viele Aussenmauern sind – zu Repräsantationszwecken – mit Quader-Blendwerk verziert – meist nicht auf den ersten Blick erkennbar, also mit grossem handwerklichem Geschick und mit (täuschender) Rafinesse ausgeführt. Das Innere des Anwesens konnten wir leider nicht erleben, und viele Umgebungsarbeiten, wie z.B. die Neuerstellung der Gartenanlage, sind noch in vollem Gange. Alle Anwesenden waren jedoch beeindruckt vom Schloss, seiner Anlage und dem Umfang der Renovations- und Gestaltungsarbeiten.

Das Chateau d'Hauteville à St-Légier oberhalb von Vevey
Das Chateau d’Hauteville à St-Légier oberhalb von Vevey
Innenhof der imposanten herrschaftlichen Schlossanlage Chateau d'Hauteville à St-Légier
Innenhof der imposanten herrschaftlichen Schlossanlage Chateau d’Hauteville à St-Légier
Treppenaufgang im Innenhof der Schlossanlage Chateau d'Hauteville à St-Légier
Treppenaufgang im Innenhof der Schlossanlage Chateau d’Hauteville à St-Légier
Aussenmauer in Renovation der  Schlossanlage Chateau d'Hauteville à St-Légier
Aussenmauer in Renovation der Schlossanlage Chateau d’Hauteville à St-Légier

Besuch der „Domaine Piccard“ im Lavaux

Nun begannen sich die Gewitterwolken drohend zu verdunkeln, wir flüchteten in unsere Autos und fuhren dem Seeufer entlang nordwärts, mitten in das riesige Rebgebiet des Lavaux. Dort hatte Delphine ein interessantes Weingut ausgemacht, die Domaine Piccard. Der Winzer und Alleinbesitzer Jean-Christoph Piccard empfing uns herzlich, und wir fühlten uns sofort wohl (und geborgen vor dem aufziehenden Gewitter).
In unwiderstehlicher Winzermanier kredenzte Jean-Christoph uns stolz seine biologischen Eigenkreationen: Einen spritzigen Traubenmost, einen Weisswein, einen Rotwein, noch ein Glas und noch ein Glas… Uns wurde nicht nur davon etwas schwindlig, sondern auch von seinem lebendigen Winzer-Latein, das er beschwingt und mit welschem Charme vortrug.
Ein toller und gelungener Abschluss des ersten Tages unseres Kalkwerk-Ausflugs – jeder Ort und jeder Referent für sich war ein spezielles Erlebnis !

Weinterrassen von Lavaux - Auch ein UNESCO Weltkulturerbe das mit traditionellem Handwerk weitergeführt wird ( z.B. Domaine Piccard)
Weinterrassen von Lavaux – Auch ein UNESCO Weltkulturerbe das mit traditionellem Handwerk weitergeführt wird ( z.B. Domaine Piccard)
Zu Besuch in den Reben von Lavaux, bei Winzer Jean-Christophe Piccard
Zu Besuch in den Reben von Lavaux, bei Winzer Jean-Christophe Piccard
Zu Besuch in den Reben von Lavaux, bei Winzer Jean-Christophe Piccard
Zu Besuch in den Reben von Lavaux, bei Winzer Jean-Christophe Piccard
Auch in der Domaine Piccard werden die Fachgespräche weitergeführt
Auch in der Domaine Piccard werden die Fachgespräche weitergeführt

Sonntag, 4. Juni 2023

Romanik in Romainmôtier

Am Sonntag ging es mit einer kleineren kalkwek Gruppe gemütlich weiter zum schmucken mittelalterlichen Städtchen Romainmôtier. Die Abteikirche mit dazugehörenden Anlage ist auf jeden Fall einen Besuch Wert.

Das schmucke mittelalterliche Dorf Romainmôtier bezaubert Kulturliebhaber*innen
Das schmucke mittelalterliche Dorf Romainmôtier bezaubert Kulturliebhaber*innen
Der Komplex der Cluniazenser-Abtei wurde im Laufe von Jahrhunderten errichtet
Der Komplex der Cluniazenser-Abtei wurde im Laufe von Jahrhunderten errichtet
Beim individuellen Flanieren durch die Anlagen trifft man an diesem Morgen immer wieder kalkwerk Mitlgieder...
Beim individuellen Flanieren durch die Anlagen trifft man an diesem Morgen immer wieder kalkwerk Mitlgieder…
...und staunt gemeinsam über kunstvolle romanische Details.
…und staunt gemeinsam über kunstvolle romanische Details.
Die Zeit flieht
Die Zeit flieht
Gemütliches Zusammensein in historischem Kontext
Gemütliches Zusammensein in historischem Kontext

Hanfkalk in Yverdon-les-Bains

Zum Schluss ging es noch nach Yverdon-les-bains eine Fassade aus Hanfkalk anzuschauen. Eines der ersten Projekte in der Schweiz das mit diesem Isolationsmaterial hergestellt wurde. Die ca. 15 jährige Fassade macht einen guten Eindruck. 

Interesse an Hanfkalk? 

->IG HANFKALK

Eine Aussenisolation aus Hanfkalk auf einem bestehenden Industriegebäude
Eine Aussenisolation aus Hanfkalk auf einem bestehenden Industriegebäude
Die Oberfläche wurde roh gelassen und lediglich mit rot pigmentiertem Leinöl behandelt
Die Oberfläche wurde roh gelassen und lediglich mit rot pigmentiertem Leinöl behandelt
Das Material wurde Schicht in Schicht in eine Schalung gestampft
Das Material wurde Schicht in Schicht in eine Schalung gestampft

Dankeschön

Wir sagen herzlichen Dank an Aurore Meige für die Organisation und an Luc Meige und Roger Simond  für die Begleitung durch den Samstag. Danke Jörg Lang für die Bilder und Hansjürg Feuz für den Text.


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KALKBRAND 2022 – TRADITION MIT ZUKUNFT

KALKBRAND 2022 - TRADITION MIT ZUKUNFT

1. Projektverlauf

1.1 Kurzzusammenfassung

Im Sommer 2022 wurde ein weiterer erfolgreicher Kalkbrand in einem traditionellen Ofen in Sur En da Sent durchgeführt. Dabei wurden rund 15 Tonnen Dolomitkalksteine aus der Val Trigl in der Nähe von S-Charl mittels Holzfeuerung zum Glühen gebracht und zu Dolomitstückkalk transformiert. Die Energieflüsse lassen sich nicht nur in Massenangaben des verwendeten Holzes (60 Ster), des Kalkertrags (7’000kg) und der vielen Arbeitseinsätzen der Freiwilligen (>1’0000 Stunden) messen. Das Kalkbrennen ist ein eindrückliches soziokulturelles Ereignis. Die mit der Kalkherstellung verbundenen Prozesse werden physisch begreifbar. Durch das Mitwirken an diesem sinnstiftenden Gemeinschaftswerk ziehen die Teilnehmenden selbst Wertvolles für sich daraus.

1.2 Programm

Begonnen wurde Mitte Juli mit dem Aufbau der temporären Infrastruktur: Gedeckter Bereich zum Kochen, Pavillons für die Workshops, Tipi als Schlafstelle für die Helfenden, Regenschutz vor dem Kalkofen und Komposttoilette. 

Am Montag (18.07.2022) sammelte ein starkes Team 2 grosse Muldencontainer voller Dolomitsteine. Die Gemeinde Scuol hat uns mit einem Pneulader beim Verlad unterstützt. In den nächsten 3 Tagen mauerte Joannes Wetzel mit Helfenden die Dolomitsteine im Kalkofen auf. Am Freitag wurde noch fleissig Holz gespalten und griffbereit beim Ofen aufgeschichtet.

Das Feuer wurde am Montag (25.07.2022) entfacht und bis zum Sonntag (31.07.22) während 7 Tagen ununterbrochen in Gang gehalten. 

Nach einer Abkühlzeit von einer Woche wurde der hergestellte Stückkalk in luftdichte Fässer gefüllt und ins Lager in Sur En gebracht. Am letzten Tag(12.08.2022) konnten die Aufräumarbeiten abgeschlossen werden.

2. Zielerreichung

2.1 Erkenntnisgewinne im Handwerk der traditionellen Kalkbrennerei

Aufgrund von thermogravimetrischen Analysen (TGA) im Labor für Multifunktionsmaterial der ETH Zürich des von uns verwendeten Dolomitkalks, wussten wir, dass der Zersetzungsprozess bereits bei 850°C stattfindet. Wir haben vom kalkwerk-Mitglied und ETH-Chemiker Prof. Dr. Walther Caseri gelernt, dass während des Zersetzungsprozesses des Calciummagnesiumcarbonats Energie in Form von Wärme entzogen wird. Das heisst, es handelt sich um eine endotherme Reaktion. Um den Prozess zu optimieren und Holz zu sparen, sind wir mit niedrigeren Temperaturen gefahren als bei den letzten Kalkbränden, also 800°-900°C anstatt 1’000°-1’100°C. Da jedoch der Dolomit eine schlechte Leitfähigkeit hat, kann es länger dauern, bis auch die Kerne der bis zu 40kg schweren Steine durchgebrannt sind. Der Aufbau der Trockenmauerkonstruktion aus Dolomitsteinen im Kalkofen bedingt verschiedene Steinformen und Grössen. Diesmal haben wir versucht, insgesamt grössere Steine zu verwenden für eine bessere Durchlüftung und ein besseres Zugverhalten während des Brandes. Dieser Effekt des besseren Zuges konnte dann auch beobachtet werden. Jedoch werden wir nächstes Mal auf eine nach oben verlaufende Abstufung der Steingrössen achten, damit die obersten Steine, welche erst zum Schluss die Endhitze erhalten, schneller durchgebrannt sind und keine ungebrannten Kerne übrigbleiben. Ausserdem haben wir zur Befeuerung zum ersten Mal Abschnitte aus der Sägerei (Fichte/Tanne mit viel Splintholz) verwendet. Möglichst trockenes und möglichst dünn gespaltenes Holz (Fichte, Lärche, Arve) erwies sich als ideal für eine gute Flammen- und reduzierte Rückstandsbildung in Form von Asche und Kohle. Frühere Erfahrungen haben gezeigt, dass Buchenholz ungeeignet ist, da die nötigen Temperaturen nicht erreicht werden können und sich eine grosse Menge an Kohle und Asche ansammelt.

2.2 Kulturelle Teilhabe, Wissenszugang und -Vermittlung

Es stand allen Menschen offen, jederzeit beim Kalkbrand vorbeizuschauen, Fragen zu stellen und mitzuhelfen. Dieses Angebot wurde besonders während des Brandes rege genutzt von spontanen Besuchen bis hin zu den im Voraus geplanten Familienferien, um bei dem Ereignis dabei sein zu können. Zusätzlich gab es geführte Exkursionen und Workhops zu verschiedenen Themen im Zusammenhang mit Kalkkultur.

Am 23.07.2022 fand eine Wanderung von Ramosch bis Sur En statt. Zuerst besichtigten wir ein typisches Wohn- und Wirtschaftsgebäude, welches nach dem Dorfbrand von 1880 von italienischen Handwerkenden mit Kalk wiederaufgebaut wurde. Danach besuchten wir die St. Florinus Kirche (1522) und erhielten eine spannende Führung von Pfarrer Christoph Reutlinger. Er gewährte einen erfrischenden Einblick in die Geschichte der Kirche und das damalige Dorfleben von Ramosch.
Nach einem Abstecher zur imposanten Burgruine Tschanüff spazierten wir runter zum Inn, um die Kalkofenruinen anzusehen, welche zuletzt für den Wiederaufbau von Ramosch Ende des 19Jh. in Betrieb waren. Die 2017 restaurierte Chalchera Stella in Sur En war der Endpunkt dieser Wanderung. Anschliessend an die Generalversammlung von kalkwerk gab es ein kleines Grillfest.

Am 27.07.2022 fand eine Wanderung von Sur En da Sent ins Val d’Uina statt. Restaurierte und noch verfallene Kalköfen säumen den Weg. Für den Bau des Weilers Uina Dadora wurden mindestens drei Kalköfen gebaut. Heute sind vom kleinen Dorf nur noch zwei Wohnhäuser und Stallungen übrig, der Rest ist Lawinen zum Opfer gefallen. Die Häuser aus Stein, Kalk und Holz wurden 1590 und 1751 erbaut und gehören zu den äusserst seltenen ursprünglichen Engadiner-Wohnhäusern mit Wirtschaftsteil, welche noch in ihrer Originalstruktur erhalten sind. Durch einen glücklichen Zufall erhielten wir einen Einblick ins Innere der Häuser. Sidonia Kleingutti, welche eine ausführliche Maturaarbeit über den Ort verfasst hatte, gab uns bereitwillig Einlass und Auskunft.

Am 28.07.2022 fand ein Sgraffito-Workshop statt. Beim Sgraffito handelt es sich um eine verzierende Kratztechnik in den frischen Kalkmörtel, welche in der Renaissance von Italien ins Engadin gewandert war. Im Workshop konnten alle Teilnehmenden ein eigenes Sgraffito auf einer Platte erstellen, indem sie zwei Aufträge mit einem Sand-Sumpfkalk-Gemisch und drei Kalkmilchanstriche machten. Die gewünschten Motive entstanden, indem sie die Kalkmilch mit einem Kratzwerkzeug entfernten und der Kontrast von Feinputz und Anstrich zum Vorschein kam. Eigentlich kinderleicht, auch Nachwuchstalente von 4-9 Jahren überzeugten mit ihren künstlerischen Fertigkeiten.

2.3 Herstellung Dolomitkalk als regionale Besonderheit

Das Brennen von Dolomit (Calciummagnesiumcarbonat) wurde bereits von den Römern praktiziert. Die chemischen Abläufe beim Dolomitkreislauf sind komplexer als die von reinem Kalkstein (Calciumcarbonat). Der im Engadin vorkommende Dolomit ist sehr homogen und hat hervorragende Eigenschaften bezüglich Frostbeständigkeit und Druckfestigkeit. Die genauen Prozesse beim Löschen und beim Abbinden von gebranntem Dolomit (Magnesiumoxid und Calciumoxid) sind relativ unerforscht.

2.4 Verfügbarkeit Material für historische Bauten

Die mineralisch errichtete Gebäudestruktur der Region, welche älter als 70 Jahre ist, besteht aus der regionalen Ressource Dolomit. Nun an die 7 Tonnen einheimisches Bindemittel zur Verfügung zu haben für den Erhalt und Weiterbau historischer Gebäude, ist unfassbar wertvoll. Insbesondere, da in der Schweiz nirgends sonst Dolomit gebrannt wird. Zum Einsatz kommt der gewonnene Stückkalk unter anderem bei der Klosteranlage in Müstair, bei der Restaurierung des Kalkofens in Guarda, bei der Umfassungsmauer der Kapelle von S-Charl, beim Wiederaufbau des Käsekessi der Alp Tamangur und bei Restaurierungen von Gebäuden aus dem 16Jh.-19Jh in Sclamischot, Ramosch, Sur En und Scuol.

2.5 Transdisziplinäre Vernetzung und Wissensaustausch

Der Ort der Chalchera war ein idealer Treffpunkt sowohl für auf Kalk neugierige Menschen, als auch für fachspezifische Profis. Bei Pfadi-ähnlichen Bedingungen fand tatsächliche Teilhabe und Vernetzung statt. Das gemeinsame Kochen, Steine schleppen, Holzen, Feuern und Kalk-Ernten verbindet über den Kalkbrand hinaus. Es bietet Raum für Gespräche zwischen Handwerker:in und Geolog:in, zwischen Künstler:in und Chemiker:in, zwischen Architekt:in und Steinmetz:in, zwischen Schreiner:in und Denkmalpfleger:in, zwischen Restaurator:in und Brunnenmeister:in, zwischen Filmer:in und Bierbrauer:in, zwischen Journalist:in und Fotograf:in, zwischen Kind und Grosseltern, usw.

2.5 Förderung des Handwerks der Kalkanwendung

Wir sind überzeugt, dass unsere Bemühungen für die Kalkbrennerei hunderte kleine Anstösse liefert, um über Kalkanwendungen nachzudenken. So breiten sich kleine Wellen über grosse Distanzen aus, mit der Idee, wieder mit Kalk handwerklich zu bauen. Durch Vermittlung, Vernetzung und Zugang zu Erfahrungen werden Menschen ermutigt, sich auf das Material einzulassen. Das Spektakuläre eines Kalkbrandes stellt die zeitlose Schönheit und die Beständigkeit von Kalkanwendungen ins Rampenlicht.

3. Besondere Erfolge

3.1 Forschungsbegleitung

Zum ersten Mal wurde beim Brand auch systematisch Daten gesammelt und von Materialwissenschaftler:innen der ETH ausgewertet. Temperatur, verfeuerte Holzmenge und Gewicht von 4 Steinproben wurden periodisch festgehalten. Für die stündlichen Temperaturmessungen wurde mit einem Pyrometer (Laserableser) an 5 bestimmten Punkten die Oberflächentemperatur der Dolomitsteine gemessen. Um abschätzen zu können, wieviel Holz im Verlauf des Kalkbrandes und zu welcher Geschwindigkeit verbraucht wird, wurde eine bestimmte Einheit (ca. 0.7 Ster) festgelegt und aufgeschrieben, zu welchen Zeitpunkten diese fertig verfeuert wurde.
Da man weiss, dass der Dolomit 47% seines Gewichtes bei der Transformation zu Calcium- und Magnesiumoxid verliert, wäre die Kontrolle des Gewichtsverlustes ein verlässlicher Anhaltspunkt, um zu wissen, ob die Steine komplett durchgebrannt sind. Die Entnahme der zum Vorraus markierten Steine gegen Ende des Brennvorgangs erwies sich als schwierig. Hitze, Erkennbarkeit und Zerbrechlichkeit der Proben war eine Herausforderung.

3.2 Ort der Teilhabe für Menschen, die aus ihrem Land flüchten mussten

Zudem bot das Projekt einen Ort der Begegnung in der Natur und Teilhabe für eine ukrainische Familie, welche aus ihrer Heimat vertrieben worden war. Die Eltern und ihr 4-jähriger Sohn kamen fast täglich vorbei, halfen mit, und genossen es, Teil einer Gemeinschaft zu sein. Ihre Profession ist die Fotografie und so konnten sie ihre Talente auch einsetzen und schufen wunderbare Bilder dieser Zeit. Wir danken Svetlana Goncharova und Artiom Goncharov für die schönen Begegnungen und für ihre Arbeit.

3.3 Gemeinschaftswerk

Das grosse Interesse an Mitwirkung ist berührend. Dieser Kalkbrand war mehr denn je ein Gemeinschaftswerk. Die Vielfalt der Menschen und ihre Motivation, Engagement und Treue (einige waren zum zweiten, dritten oder gar vierten Mal mit dabei) haben dazu geführt, dass eine liebevolle Stimmung, gute Teamarbeit und ausgezeichnete kulinarische Verpflegung herrschte.

4. Besondere Schwierigkeiten

4.1 Regionaler Lehm

Gerne würden wir für den Lehmdeckel, welcher den Kalkofen ab dem zweiten Tag isoliert, regionalen Lehm verwenden (bewährt hat sich bisher Erzlehm der Lohnerziegelei). Im Vorfeld hatten wir mit der Keramikerin Séverine Emery Brennversuche mit dem Lehm aus der Grube der Kieswaschanlage von Sur En gemacht. Das Material erwies sich als nicht „fett“ genug und hat einen zu tiefen Schmelzpunkt für unsere Zwecke.

4.2 Grosser Andrang

Vergleichbar mit einem erfolgreichem Festival, steigen die Besucher:innenzahlen von Mal zu Mal. Da die Platzverhältnisse vor dem Ofen beschränkt sind, führte die grosse Anzahl an Interessierten zeitweise auch zu einer Behinderung der auszuführenden Arbeiten. Wir ermöglichen es einer Vielzahl mitzumachen, dabei gilt es, eine gute Balance von Erfahrung und neuem Ausprobieren zu finden. Das gestiegene Interesse erfordert in Zukunft eine planerische Reaktion.

5. Wie es weitergeht

5.1 Kalkbrand 2024

Um eine Kontinuität sicherzustellen und ein wachsendes Interesse zu befriedigen, planen wir alle 2 Jahre einen Kalkbrand im Unterengadin durchzuführen. Wir sind überzeugt, durch unsere Arbeit einen wichtigen Beitrag zur Baukultur und zum Erhalt (und Neugewinn) von immateriellem Kulturerbe zu leisten. Idealerweise finden wir in Zukunft einen Weg, eine beständigere Finanzierung der wertvollen Arbeit des Vereins zu ermöglichen.

6. Dank

An dieser Stelle wollen wir allen Unterstützenden Danke sagen. Persönliches Engagement von vielen Menschen war massgebend für den Erfolg des Projektes. Wir sind enorm dankbar für dieses Netzwerk, dass uns stärkt, trägt und belebt.
Auch für die finanzielle Unterstützung möchten wir ein herzliches Dankeschön aussprechen.
Besonderen Dank gilt der lokalen Gemeinden Scuol und Samnaun, der kantonalen Denkmalpflege, der Corporaziun Energia Eingiadina (CEE), dem Heimatschutz Engadin und Südtäler, dem Bündner Heimatschutz, der Ernst Göhner-Stiftung, der Willi Muntwyler-Stiftung, dem Fachverband für Kalk Calcina und weitere private Gönner:innen.

Vielen Dank Euch allen!

Was währendessen auf dem nahegelegenen Spielplatz geschah... Kinder Kalkofen
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KURS MAUERN MIT KALKMÖRTEL IN MÜSTAIR

KURS MAUERN MIT KALKMÖRTEL IN MÜSTAIR

In Zusammenarbeit mit der Stiftung Pro Kloster St. Johann in Müstair und der Unterstützung des Graubündnerischen Baumeisterverbandes haben wir einen einwöchigen Kurs mit Anwendungsobjekt auf dem geschichtsträchtigen Areal durchgeführt. Das Benektinerinnenkloster ist eine Weltkulturerbestätte der UNESCO, erbaut aus Stein und Kalk. Der zum grossen Teil noch originale Dolomitkalkputz hat bereits 1’200 Jahre Bestand. Unter der Leitung von Joannes Wetzel beinhaltete der praktische Teil das Errichten einer Gartenmauer im Werkhof des Klosters. Dabei wurde das selbständige Mischen von Mörtel mit nicht- standardisierten regionalen Baumaterialien erlernt. Wir haben mit Stückkalk vom Kalkrand 2020, mit Steinen und Sand vom Ort gearbeitet.Theoretische Inputs gab es von Rufino Emenegger, Jürg Goll, Delphine Schmid, Simon Berger und Patrick Cassitti. Der Kurs war schnell ausgebucht und hatte einen interessanten Mix an Teilnehmenden: Einerseits Handwerkende, welche für grosse Firmen bereits an historischer Substanz arbeiten, andererseits Personen aus der Archäologie und Bauforschung, sowie Handwerker aus kleinen Betrieben und Leute, die an ihrem eigenen Haus Hand anlegen wollen.

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KALKLÖSCHFEST

KALKLÖSCHFEST 2021

An die 30 Personen haben mit uns das jedes Mal wieder verblüffende Ereignis, dass sich Steine in schneeweissen Brei verwandeln gefeiert. Dafür wurden einige Fässer Stückkalk vom Brand 2020 durch Zugabe von Wasser „gelöscht“, und so zu Sumpfkalk verarbeitet. Anwendungsbeispiele von mehrjährig gelagertem Sumpfkalk sind Feinputze, Kalkglätten, Anstriche, Sgraffito und Freskomalereien. Muster davon konnten vor Ort besichtigt werden. Dazu gab es Grill und Getränke.

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KALKBRAND BALLENBERG

KALKBRAND BALLENBERG 2021

Während vier Tagen wurde der Kalkofen auf dem Ballenberg in Betrieb gesetzt und Mitarbeitende des Freilichtmuseums und des Kurszentrums brannten Kalksteine. Ein Profiteam von kalkwerk war mit Info- und Workshopständen vor Ort und gaben einen Einblick in den Kosmos des Kalkes. Bei verschiedenen Stationen gaben Expert:innen Auskunft über das Handwerk und es gab die Möglichkeit selbst auszuprobieren: Kalkherstellung, Mauern mit Kalkmörtel, Kalkverputze, Oberflächengestaltung, Sgraffito und Kalk als Bindemittel für Farben (Fresko, Steinpigmente und Kaseinleim auf Holz). Der Brand konnte rund um die Uhr mitverfolgt werden.

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KALK PERFORMANCE IN BASEL

KALK PERFORMANCE IN BASEL

GRANDFATHER’S AXE – AUSSTELLUNGSRAUM KLINGENTAL – BASEL – HERBST 2020

kalkwerk realisierte zusammen mit dem Künstler Christian Kosmas Mayer im Oktober 2020 eine Kalklöschperformance an der Vernissage der Ausstellung Grandfather’s Axe im Ausstellungsraum Klingenthal in Basel. 

Die Bauarbeiten auf dem Areal der ehemaligen Kaserne Klingenthal wurde von der archäologischen Bodenforschung begleitet. Dabei wurden die Überreste eines Kalkbrennofens entdeckt. 

In Anlehnung an Joseph Beuys Aktion «Grassello» möchte der Künstler die alchemistisch anmutende Transformation von Stein zu Stein im Kalkkreislaufes und das für Beuys harmonische Verhältnis des Menschen zur Natur, das sich auf uraltem Wissen begründet wieder aufgreifen. 

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Exkursion Kalkofenruine im Nationalpark

EXKURSION KALKOFENRUINE IM NATIONALPARK

Prof. em. Dr. phil. nat. Christian Schlüchter vom Institut Geologie von der Universität Bern hat auf einer Führung beim Ofenpass im Val Chavagl die Überreste eines Kalkofens entdeckt. Dieser war vermutlich lange Zeit verschüttet und ist durch ein geologisches Phänomen wieder freigelegt worden. Herr Schlüchter hat bei Nachforschungen mittels Dendrochronologie und anderen Klimadaten herausgefunden dass ca. im Jahre 1650 eine grössere Schlammlawine bei der Rüfe hinuntergekommen ist und das Gelände nachhaltig geprägt hat.

Diese Fundstelle und einen weiteren grob erhaltenen Kalkofen nähe Nationalpark sind wir mit einer fachspezifischen Gruppe besuchen gegangen. Mit dabei waren mitunter 2 Geologen, 3 Archeolog*innen, 3 Architekt*innen und 2 Handwerker aus der Praxis. Die Überreste des Kalkofens auf der rechten Seite des Flusses nahe einer Rüfe wirft viele Fragen auf, welche lebhaft diskutiert wurden.

Wieso wurde dieser Standort gewählt, wenn doch die Strasse auf der anderen Seite verlief und es sehr umständlich sein musste den Kalk fort zu transportieren? Wieso wurde der Kalkofen so nahe am Flussbett gebaut, wo er doch Gefahr läuft hinfort geschwemmt zu werden. Wozu wurde gerade an diesem Ort Kalk gebrannt, da in der Nähe keinen weiteren menschlichen baulichen Massnahmen zu finden sind? Wann wurde der Ofen gebaut, vor oder nach dem Grossen Erdrutsch Ereignis?

Fazit der Diskussionen war, es solle zusammen mit dem archäologischen Dienst weitere Untersuchungen und Grabungen geben um den Geheimnissen auf die Spur zu kommen.

 

Fotos: Delphine Schmid

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Kalkofenwanderung Val d’Uina

KALKOFENWANDERUNG VAL D'UINA

Sur En da Sent hat eine Vorindustrielle Vergangenheit. Vom Dorf bis weit hinein ins wild romantische Uina Tal gab es früher bis zu 13 Kalköfen. Das Dorf am Fluss hatte Mitte dem 19 J.H, wirtschaftliche Bedeutung und befand sich an einer wichtigen Handelsroute. Es gab nicht nur Kalköfen, sondern auch eine Sägerei, ein Zapfenfabrik für die Forstwirtschaft, eine Mühle und sogar ein Zollhaus. Mit Beat Hoffman vom Kulturarchiv Unterengadin (ACEB) und den beiden Projektinitianten Delphine Schmid und Joannes Wetzel begab sich eine stattliche Gruppe von 30 Kalkinteressierten auf eine Wanderung.Im Dorf selbst sind 3 restaurierte Kalköfen zu sehen.

Auf dem Weg hinauf findet man noch Überreste von Kalköfen in Form von weiss gebrannten Kalkstückchen. Für den Bau des Weilers Uina Dadora wurden mindestens 3 Kalköfen gebaut. Heute sind vom kleinen Dorf nur noch zwei Wohnhäuser und Stallungen übrig, der Rest ist Lawinen zum Opfer gefallen. Die Häuser aus Stein, Kalk und Holz wurden 1751 und 1590 erbaut (siehe Maturaarbeit von Sidonia Kleinguti) und gehören zu den äusserst seltenen ursprünglichen Engadiner Wohnhäuser  mit Wirtschaftsteil welche noch in ihrer Originalstruktur erhalten sind. Unterhaltsarbeiten an der Fassade wurde vor einigen Jahren von Johann Tschalèr mit dem von Joannes Wetzel gebranntem Kalk ausgeführt.

Als Abschluss der Wanderung gab es ein Apéro bei der Chalchera Stella, wo alle Fragen zur Kalkbrennerei mit den frisch geschmiedeten Bekanntschaften erörtert werden konnten.

Fotos: Christoph Stahel

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KALKÖFEN VON RAMOSCH

KALKÖFEN VON RAMOSCH

Überreste einer früheren Kalkproduktion auf der Ebene Plan da Chomps neben dem Inn bei Ramosch. Es ist die Ruine eines Unterstands zu erkennen. Weiter hinten sind die portale ehemaliger Kalkbrennöfen zu sehen.

Im ganzen Gebiet der Unterengadiner Dolomiten wurde Mörtel aus Kalkgestein und kalkigem Dolomit gewonnen. Davon zeugen noch zahlreiche Mauerreste von kuppelförmigen Kalköfen und in der Nähe herumliegende weisse, gebrannte Steine. Im Untersuchungsgebiet sind solche in Trupchun, Il Fuorn, Alp Stabelchod, Val Naira und Mingèr Dadora zu finden. Kalk war als Mörtel für die Mauerwerke über Jahrhunderte hinweg ein unentbehrliches Mittel. Einerster markanter Höhepunkt der Kalkbrennerei liegt im 16. und 17. Jahrhundert. Zu dieser Zeit wurden die Häuser im Engadin – bis dahin gfösstenteils aus Holz gebaut – ummauert. In späteren Zeiten kam es jeweils nach Dorfbränden zu einem grösseren Kalkbedarf. (1)

Kalköfen von Ramosch
Im Talboden, auf der Ebene Plan da Chomps neben einer Weide, sind die Überreste alter Kalköfen erkennbar, welche für den Wiederaufbau von Ramosch nach den Bränden 1880 und 1881 eingesetzt wurden. (2)

  1. Parolini, Jon Domenic (1995), Zur Geschichte der Waldnutzung im Gebiet des heutigen Schweizerischen Nationalparks, Diss. ETH Nr. 11 187, S. 46-47
  2. scuol-zernez.engadin.com (2019) Ortsbroschüre Ramosch-Vnà

Die Ruine eines Unterstands bei Ramosch kehrt langsam zur Natur zurück. Die Mauern werden aus einem vor Ort produziertem Branntkalch Mörtel zusammengehalten, welcher wahrscheinlich 140 Jahre alt ist. Die nah gelegenen Kalkbrennöfen waren im Zeitraum 1880-1881 in Betrieb und somit der Unterstand zur gleichen Zeit erbaut.

Erste Spuren am Boden weisen darauf hin, dass sich eine ehemalige Kalkgewinnungsstätte ganz in der Nähe befindet. kleine Stücke Branntkalk und weisse gebrannte Kalksteine sind in der Gegend rund um historische Kalköfen zu finden.

Ruine eines grossen Kalkbrennofens in der nähe von Ramosch. Hier wurde in den Jahren 1880-1881 nach einem Dorfbrand in Ramosch Kalkstein gebrannt um den Bedarf an Branntkalk für den Wiederaufbau des Dorfes zu decken.

Historisches Mörtelstück ca.140 Jahre alt von einer Aussenmauer. Die ersichtlichen grösseren weissen Stücke sind sogenannte Kalkspatzen.

Kalkspatzenmörtel ist ein trocken gelöschter Mörtel, welcher unzählige historische Bauten auf der ganzen Welt verteilt zusammenhält.

Kalkspatzen erhöhen die Druckfestigkeit und bergen ein Selbstheilungspotenzial. Die Kalkspatzen fungieren als Calciumhydroxid Reservoir, welches beim eindringen von Wasser ausgelöst wird und in entstandenen Rissen ausfällt.

Historisches Verputzstück ca. 140 Jahre alt von einer Aussenmauer. Diese Putz ist al Freco gestrichen worden, dass heisst auf den noch feuchten Feinputzmörtel mit Kalkmilch gestrichen worden. Beim gemeinsamen Abbinden ist so ein steinharter Verbund entstanden.

Eine Ruinenmauer am Zerfall ausgesetzt, da ungehindert Wasser von oben eindringen kann. Im Gegensatz zu zementösen Bindemitteln klebt der natürliche Kalkmörtel nicht unwiederruflich an den Steinen fest. Somit kann die Mauer umweltverträglich in seine Einzelteile zerfallen. Die gorssen Steine können sogar problemlos wieder Rezycliert werden und für andere Gebäude wiederverwendet werden, da sich die Mörtelreste einfach abbürsten lassen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ruine eines kleineren Kalkbrennofens in der nähe von Ramosch ist dem Verfall ausgesetzt.